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Di, 25. April 2017

"Wie ein großer Bruder": Kolasinac und Avdijaj unter Fans

Anne Theke mit Sead Kolasinac und Donis Avdijaj: Montagabend (24. April), die Abteilung Fanbelange hat in den ehemaligen Tabakladen von Ernst Kuzorra und Stan Libuda an der Kurt-Schumacher-Straße auf Schalke eingeladen. 14 Fans dürfen rein. Es folgen 90 Minuten, die zeigen, dass auch ein Welt-Club wie Schalke 04 bis heute nicht vergessen hat, woher er kommt – vom Schalker Markt – und wer ihn zu dem macht, was er ist: seine Fans. Emspower-Mitglied Tobias stand auch "anne Theke".

Um kurz nach 18 Uhr kommt Sead Kolasinac mit seinem Mercedes-Geländewagen aus Richtung GE-Buer die Kurt-Schumacher rauf gefahren, an der Ampel am Eckgebäude rechts, hinter dem Tabakladen auf den Hof, schwarze Kappe auf, raus aus dem Auto, Donis Avdijaj und eine Mitarbeiterin aus der Öffentlichkeitsabteilung des FC Schalke 04 hinterher, rein ins Geschäft. 14 Fans, drei Mitarbeiter der Abteilung Fanbelange und neben mir auf der Bank unterm Fenster „Heiner“ Kördell, 85 Jahre alt, deutscher Fußballmeister 1958, Ehrenpräsident, wohnhaft umme Ecke. Er hat gesehen, dass hier was los ist, und hört einfach mit zu, auch wenn er nicht mehr alles so gut versteht, weil die Ohren nicht mehr so mitmachen. „Wer kommt heute?“, fragt er mich. „Zwei Spieler. Sead Kolasinc und Donis Avdijaj.“ 

Donis geht einmal durch die Runde, gibt jedem die Hand, dann setzen er sich mit Sead hinter die Theke. Dann reden sie. In ganz dichter Atmosphäre, ohne Medienvertreter. Sie beantworten erst einige Fragen des Fanbelange-Mitarbeiters, der die Runde moderiert, dann auch die Fragen der Fans. Wie kann es sein, dass Schalke in Amsterdam so spielt und eine Woche später in Amsterdam ganz anders? Was schätzen die beiden Jungs an Schalke 04? Was machte für sie in ihrer Jugendzeit Schalke aus? „Ich hatte das Wort Knappenschmiede noch nie gehört“, sagt Donis Avdijaj, der drei Jahre Jüngere der beiden. „Ich bin hergekommen, weil die Knappenschmiede einen so guten Namen hatte“, sagt Sead Kolasinac. Sie lebten beide zusammen im Internat. „Ich war 14, Seo 17. Er ist bis heute wie mein großer Bruder“, sagt Avdijaj. „Ich wusste noch nicht mal, was 5 Euro sind, da hat er mich in seinem Auto mitgenommen und mir ein ‚Happy Meal‘ ausgegeben“, erzählt er. Alle lachen. Donis sagt noch, dass nach seiner Ausleihe zu Sturm Graz vor allem das Gespräch mit Christian Heidel ihn überzeugt hätte, zurückzukehren. Er sei ein großartiger Manager, mein Avdijaj, habe ihn richtig in einen Bann gezogen – ein ganz toller Mensch.

Fotos aus dem Ex-Tabakladen auf Schalke

Donis, der heitere Kosovare, der erklärt, warum er sich dazu entschieden hat, für die Nationalelf Kosovos aufzulaufen: eine neue, eine junge Mannschaft, die für ein Land spielt, das neu aufgebaut werden müsse. Er wolle so auch seinen Eltern etwas zurückgeben; wenngleich er sagt, er habe dem DFB, dem FC Schalke 04, viel zu verdanken, weil er hier ausgebildet wurde. Sead, der Bosnier, der sich nach dem Gang durch die DFB-Nachwuchs-Nationalmannschaften ebenfalls für sein Herkunftsland entschied, weil seine Familie dort lebt, weil er zu dem Land eine besondere Verbindung habe. Er, der Links-Verteidiger mit Drang nach vorne, der früher eigentlich mal Innenverteidiger war, bis ihn Huub Stevens mit 18 in den Profikader holte mit der Frage: „Kannst du Linksverteidiger spielen? Dann kommst du in den 18er-Kader.“ Er habe kurz überlegt, erzählt er, und dann ja gesagt. Und sein „kleiner Bruder“, der auf der Zehn spielen kann, aber auch Sturmspitze, links oder rechts offensiv. „Am liebsten Zehner oder Rechts“, sagt Donis, aber wenn es sein müsse, dann auch Links oder in der Spitze.

So plaudern sie, sprechen davon, dass Schalke ein riesiger Club ist, ein Herzensclub, den sie eng bei sich tragen. Schnell kommt die Frage an Seo nach seiner Vertragssituation. Es gibt nichts neues zu dem, was derzeit bekannt ist. Er habe zwar noch engen Kontakt zu Joel Matip, Leroy Sane und Julian Draxler, seinen früheren Kumpels aus Gelsenkirchen, aber gefragt habe er sich nicht, was er tun solle. „Man bekommt diese Frage, diese Chance vielleicht nur einmal in seinem Leben“, meint Donis Avdijaj. „Da muss man sich das gut überlegen, was man tun soll.“ Er ist ein Sprücheklopfer, ein extrem sympathischer, aber er sagt nichts Dummes, zwar vielleicht Hemdsärmeliges, aber aus tiefstem Herzen – und nicht ohne Verstand. „Klar“, sagt Seo, habe er die anderen drei Jungs damals nach ihren Wechseln gefragt, ob sie gut aufgenommen worden seien. Aber das habe nichts mit seiner Entscheidung zu tun, vor der er stehe.

 

Es geht später um die wechselhaften Leistungen, die sie sich auch nicht erklären können. Es geht um die Momente der Saison, für Seo sicher das Derby in Dortmund, bei dem er mit seiner Grätsche nach ein paar Spielminuten „ein Zeichen setzen wollte“; aber auch das 2:2 im Rückspiel des Europa-League-Achtelfinals in Mönchengladbach. „Ich weiß nicht, wie viele Tausend Schalker da mitgereist waren, aber es fühlte sich am Ende an, als sei das ganze Stadion blau-weiß“, sagt er.

Der Trainer sei ein extrem sympathischer und empathischer Mann, spreche sehr gut mit den Spielern, wisse zu dosieren, wann er lauter werden muss und wann er die Handbremse ein bisschen angezogen halten müsse, sagt Sead. Auf meine Frage, warum Fährmann so oft ins Passspiel einbezogen wird, obwohl er sicher nicht zu den allerbesten Fußballern gehört, meint er: Der Trainer sage nicht: „Spielt bitte aus dem Defensivverbund immer zu Ralle“ – aber der Torwart sei im modernen Spiel heute eben elfter Feldspieler.

Donis muss mach ungefähr einer Stunde weg. Er schreibt noch Autogramme und macht Fotos mit den Gästen. Dann hebt er beide Arme, ruft er „Ich sag mal: Macht’s alle gut, ne?“ in die Runde, geht raus auf die Straße und telefoniert. Wenig später ist er weg. Derweil dreht Sead Kolasinac noch eine Ehrenrunde mit weiteren Fragen.

„Ich wusste natürlich, dass diese Frage kommt“, sagt Sead Kolasinac. Es geht um seine Zukunft: Wo spielt er demnächst? „Wenn es feststünde, würde ich es euch hier ehrlich sagen“, meint er. Und: „Wir können uns in zwei oder drei Wochen, wenn es fest steht, gerne wieder hier treffen. Dann seid ihr die ersten, die es erfahren.“ Es ist der einzige Moment, in dem man denkt: Er macht uns was vor. Aber man nimmt ihm auch ab: Wenn es ginge, er würde es vermutlich wirklich tun. 

Schalke TV berichtet gerade selbst bei Facebook. Im Film kommt unser Emspower-Mann auch zu Wort.

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