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Sa, 16. März 2019

Vermöbelt von City - und doch ist das Schalke-Gefühl da

Und wenn du denkst, dass es nach einem 0:3 in Mainz, einem 0:4 gegen Düsseldorf und einem 2:4 in Bremen nicht mehr schlimmer kommen kann… dann fährst du am besten nach Manchester und lässt dich dort von einem Jungen aus der Knappenschmiede und seinen zehn neuen Kumpels mit 0:7 aus dem City of Manchester Stadium, also called Etihad Stadium, prügeln.

Schalke 04 ist nach 18 Gegentoren in vier Spielen nur noch eine Karikatur seiner selbst. Und jetzt kommt der Rasenballsport-Verein aus Leipzig. Man darf gespannt sein, wie oft wir da den Ball aus dem eigenen Netz fischen werden.

Es ist ein Abend zum Vergessen in Manchester, dieser Fußballstadt, die nach meinem flüchtigen Eindruck einer riesigen Baustelle an allen Ecken und Enden gleicht. Und hätte man gewusst, dass der Spaß am Nachmittag am Piccadilly-Treffpunkt in der City mit Schlammschlacht-Fußball dreier Bekloppter auf der Matschwiese neben dem großen Springbrunnen schon der größte Spaß des Tages würde… dann hätte man diese Reise getrost sein lassen können.

Fotos aus Manchester

Dort am Brunnen trafen sich die knapp 3000 Schalker. Und ehe der Marsch zum Pitch sich gegen 17.15 Uhr in Bewegung setzte, gab es noch eine spannende Show: Rund um die mittelgroße Rasenfläche versammelte sich der in dunkelblaue Bomberjacken gekleidete Mob und sah zwei Einheimischen und einem jungen Schalker beim Schlammkicken zu. „Wir wollen euch kämpfen seh’n!“ und „Steh auf, du Sau!“ waren die begleitenden Gesänge dazu. Dann ging es zu Fuß etwa 50 Minuten zunächst durch eine enge Gasse, in der die akustische Machtdemonstration des Auswärts-Mobs mal wieder ein großer Spaß war, und dann über breite Straßen raus in die Pampa zum Stadion.

Und dann war da diese sonderbare Aufteilung der Fangruppen im COMS: Drei Ränge auf dem South Stand für die Gästefans, rechts und links davon ein paar ganz ordentlich supportende „Cityzens“ – das ist schon sehr speziell. Ebenso die ziemlich einfallslose Fahnenchoreo auf dem South Stand der Heimkurve. Nun…

Und dann das Spiel, bei dem jedes der ersten vier Tore (bzw. der Elfer zum 0:1) per VAR noch mal überprüft wurde. Das nervt!

Naja, die Geschichte des Spiels ist anderswo hinreichend erklärt und analysiert. So wird nun abzuwarten sein, ob der Trainer die Mannschaft noch auf das Leipzig-Spiel vorbereiten darf oder nicht. Man kann es sich kaum vorstellen. Und so sehr wir ihn lieben und viele sich auch Kontinuität wünschen würden: In dieser Situation ist er nicht mehr der Richtige. Wie soll er die Mannschaft jetzt noch umdrehen, damit sie nicht weiter Spiel für Spiel baden geht?

Mit schwer hängenden Schultern kam sie nach dem 0:7 noch in die Kurve geschlichen. Ihr schlug nicht mal Wut entgegen, maximal vereinzelt, sondern eher Fassungslosigkeit und Enttäuschung. So vorführen lassen wie an diesem Abend hat sich Schalke 04 gefühlt seit Jahrzehnten nicht mehr. Eine Schmach. 

Am Tag darauf ging es für einige aus der kleinen Emspower-Crew noch auf einen Stadtrungang mit dem ersten Ziel Old Trafford. Das Stadion hat eine Menge Charme, viel mehr als diese Arenen der Neuzeit wie das Etihad. Aber die 27 Pfund für eine Stadionführung waren uns dann doch zu viel Asche. Wir haben es bei einem Rundgang bei Sturm und Regen draußen herum belassen. Dann ging es am Nachmittag mit einem Eurowings-Flieger, aber nicht den hässlichen in Schwarz-Gelb, zurück nach Düsseldorf.

Wer als Schalker zurück kommt, der ist nach einem 0:7 automatisch mit diesen Fragen konfrontiert: Warum tust du dir das an? Du fliegst für ein 0:7 nach England? Für ein Fußballspiel nimmst du dir mehrere Tage Urlaub? Wie bekloppt bist du? 

Diese Fragen stellt man sich auch selbst, aber trotz einer so dramatischen Pleite kann man immer wieder nur bilanzieren: Man kann dieses Gefühl nicht erklären, das man hat, wenn man seine Farben in den Städten Europas vertritt; es ist nicht die Liebe zu den Fußballern, sondern die Liebe zum Club, zu Schalke 04 mit all seinen Facetten. Das hat nichts mit Sieg oder Niederlage zu tun. Es ist eine Ebene darüber. Der Auftritt unserer Mannschaft war desolat, der unseres Vereins insgesamt aber würdig. Gerade Schalke 04 ist mehr als Ergebnisse. Wir sind Schalke.

Fotos vom 2:4 in Bremen

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