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Mo, 12. Juli 2021

Ehrenvorsitzender vor dem Start: "Das ist wie Pommes ohne Majo"

Gerade 50 geworden: der Mann mit dem zauberhaften Hut, Ehren-Präsident Oliver Attermeyer

"Ich freue mich irgendwie wie Bolle auf dieses 30 Jahre nicht mehr mitgemachte 'Neuland'": Das sagt kein geringerer als der Emspower-Ehrenpräsident Oliver Attermeyer im großen Sommer-Interview. Warum das? Und wieso ist er trotzdem in einigen Bereichen skeptisch? Das hat er uns erklärt.

Oliver Attermeyer fährt seit über 35 Jahren auf Schalke. Der 50-Jährige, der Emspower Rheine mitgründete und fast immer seit 1991 Vorsitzender des Fanclubs war, sagt heute, also 2021, er habe unglaublich intensive Erinnerungen an die Jahre 1988 bis 1991. Es war seine Allesfahrer-Zeit. Nun sprachen wir über die neue Saison, Corona und wann er wieder auf Schalke fahren wird.

Oli, wie sehr hat dir Fußball im Stadion in der Corona-Pandemie gefehlt?

Zu Beginn der Pandemie wusste ja noch niemand, wie lange dieser Zustand anhalten wird. Je länger das sportliche Elend andauerte, umso weniger hatte ich Sehnsucht nach einem Live-Spiel auf Schalke. Ob diese Katastrophensaison genauso auch mit Zuschauern verlaufen wäre, wurde ja schon verschiedentlich diskutiert. Eine hypothetische Frage.

Wann wirst du, glaubst du, wieder in der Arena dein Team unterstützen?

Ich kann mich nicht mit einer nicht mal halbvollen Arena, keinen Stehplätzen oder Alkoholverbot anfreunden. Das ist ja wie Pommes ohne Majo: Da fehlt was Entscheidendes! Darüber hinaus muss man mal abwarten, ob im Herbst die Delta-Variante durch Deutschland rauscht und was das bedeutet. Erst wenn alles wieder normal ist und der Emspower-Bus fährt, bin ich wieder dabei.

Wo wirst du das erste Spiel in der 2. Liga verfolgen?

Zu Hause in meinem Schalke-Keller.

Wie hat der FC Schalke 04 deiner Meinung nach die Phase nach dem Abstieg gemanaged?

Zunächst katastrophal. Die Vorfälle in der Nacht des Abstiegs an der Arena waren zu erwarten. Man hätte die Spieler mit Kleinbussen direkt nach Hause fahren sollen, so wie es ja auch vorbereitet war. Aber Schalke 04 im Jahr 2021 wäre nicht Schalke 04 im Jahr 2021 gewesen, wenn man dieses Fettnäpfchen nicht auch noch mit Anlauf mitgenommen hätte. Gleichwohl fand ich Gerald Asamoah in den Tagen nach dem Abstieg megastark. Er war irgendwie das Gesicht des Vereins und hat mit seinen Emotionen die Gefühle aller Schalker perfekt wiedergespiegelt. Die Hauptverantwortlichen des Niedergangs waren ja schon über alle Berge und das war auch gut so.

Wie hat diese Phase und der Umgang des Vereins damit auf dich gewirkt?

Unter dem Strich sehr professionell. Siehe die frühe Verpflichtung von Danny Latza. Den hätte Schalke niemals verpflichtet, wenn man für die Bundesliga gesucht hätte. Doch mit jedem weiteren verloreneren Spiel und größer werdenden Abstand konnte man hinter den Kulissen schon sehr früh mit den Planungen für die 2. Liga beginnen, anders als zum Beispiel bei Werder Bremen, die erst kann zum Schluss reingerutscht sind.

Wie gut oder schlecht ist der Kaderumbau im Sommer gelungen?

Das wird die Zeit erst zeigen. Was die Neuverpflichtungen angeht, bin ich mit jedem der bisher acht Transfers einverstanden. Die Positionen stimmen. Vor allem freue ich mich, dass zwei Spieler aus Polen und Holland dabei sind. Die haben schon immer zur Schalker DNA gepasst, man denke an Typen wie Youri Mulder oder Tomasz Hajto. Auf der Verkaufsseite wird hoffentlich jetzt nach der Euro wieder etwas Schwung in den Transfermarkt kommen. Vor allem Christian Heidels teure Reste-Rampe muss weg von der Gehaltsliste, was schwer genug sein wird. Bei Sebastian Rudy hat’s ja gottlob schon mal geklappt. Wer aber bitte verpflichtet einen Rabbi Matondo oder Hamzy Mendyl?

Ist dieser Kader stark genug für eine gute Rolle in der 2. Liga?

Die genaue Leistungsfähigkeit des Kaders kann noch niemand beurteilen, dafür ist zu viel runderneuert. Niemand kann daher seriös sagen, wo die Reise hingeht. Ich finde es deshalb auch gut, dass sich unsere sportliche Leitung mit Aussagen bisher zurückhält.

Gleich zum Auftakt gegen den HSV und danach in Kiel: gut oder schlecht, so ein Raketen-Start?

Schalke gegen den HSV war eines der potentiellen Auftaktspiele und kommt von daher nicht sehr überraschend gleich am 1. Speiltag. Danach geht’s nach Kiel, die hatte man noch nie in einem Ligaspiel. Schwere Auftaktgegner, aber reizvoll.

Wo landet Schalke am Ende der Saison?

Vieles wird davon abhängig sein, ob alle die rund um den FC Schalke 04 Verantwortung tragen, die 2. Bundesliga in den Köpfen akzeptieren, vor allem die Mannschaft, insbesondere die Absteiger, die in der letzten Saison völlig versagt haben. Wer glaubt, Mannschaften wie Heidenheim oder Sandhausen mal eben so im Vorbeigehen zu schlagen, der wird ein böses Erwachen erleben. Man muss nur mal beim HSV nachfragen. Ich persönlich wäre erstmal froh, wenn der seit drei Jahren immer schneller nach unten rauschende Aufzug gestoppt wird und wir in der neuen Spielklasse einigermaßen zurechtkommen. Was nach wie vor wie ein Damoklesschwert über dem FC Schalke 04 schwebt, ist die ruinöse finanzielle Situation. Mehr als ein, zwei Jahre 2. Liga werden wir uns wohl nicht leisten können. Geht’s nicht schnell wieder nach oben, droht das wirtschaftliche Aus und die Insolvenz. Dann fahren wir nicht mal mehr nach Sandhausen, sondern nach Straelen an den Niederrhein. 

 

Wie siehst du das? D'accord mit Olis Ansichten oder ganz anderer Meinung? Sag es uns in unserer großen Umfrage vor der neuen Saison.

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